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Laufgeräusch · Technik

Schleichsekunde statt Sprungsekunde: leise Uhrwerke im Überblick

Im Schlafzimmer soll eine Uhr leise sein – und genau dort fällt ein tickender Sekundenzeiger auf. Die Bauart entscheidet: Ein Werk mit Schleichsekunde führt den Zeiger gleichmäßig, ein Sprungsekundenwerk rückt ihn im Takt weiter. Wir zeigen, was das für das Geräusch bedeutet und welche Angaben die Hersteller in unserem Vergleich dazu wirklich machen.

✍️ Redaktion Quarzuhrwerke Ratgeber ⏱ 5 Min Lesezeit
Wanduhr mit ruhig laufendem Sekundenzeiger in einem Wohnraum mit Bücherregal und Zimmerpflanze

📌 Das Wichtigste in Kürze

  • Schleichsekunde (die schleichende Sekunde): Der Sekundenzeiger läuft gleichmäßig durch, das Laufgeräusch fällt deutlich geringer aus.
  • Sprungsekunde: Der Zeiger rückt einmal je Sekunde weiter und tickt dabei hörbar.
  • Still ist auch eine Schleichsekunde nicht – ein Quarzwerk ist eine Mechanik mit Motor.
  • In unserem Vergleich weist genau ein Datenblatt die Schleichsekunde aus, zwei die Sprungsekunde. Bei den übrigen sieben steht dazu nichts.
  • Ein loses Werk auf dünnem Zifferblatt macht mehr Geräusch als die Bauart.

Uhrwerk mit schleichender Sekunde: woran Sie es erkennen

Am Sekundenzeiger. Bei der Schleichsekunde gleitet er in vielen kleinen Schritten über das Blatt, so dass die Bewegung als durchgehend wahrgenommen wird. Bei der Sprungsekunde steht er 59-mal in der Minute still und rückt einmal je Sekunde weiter – das ist der Takt, den man hört.

Technisch steckt in beiden Fällen ein Schrittmotor. Er arbeitet beim schleichenden Werk nur in kürzeren, schwächeren Impulsen, wodurch das Anschlaggeräusch im Räderwerk kleiner ausfällt. Im Datenblatt steht das nicht immer: Manche Hersteller nennen die Bauart, andere schweigen dazu und bewerben stattdessen die Uhr als „leise".

Uhrwerk ohne Ticken? Was die Schleichsekunde wirklich leiser macht

Sie ändert die lauteste Geräuschquelle, nicht alle. Übrig bleiben das Surren des Motors und das Laufgeräusch der Zahnräder – beides deutlich leiser als ein Ticken, aber vorhanden. Sechs der zwölf ausgewerteten Rezensionen zu dem Schleichsekundenwerk in unserem Vergleich äußern sich zum Laufgeräusch – alle sechs beschreiben es als sehr leise bis nicht hörbar; „nicht hörbar" heißt dabei: aus normalem Abstand im Wohnraum.

Der zweite Faktor ist Ihr Aufbau. Ein Werk, das nicht plan aufliegt, überträgt jede Bewegung auf das Zifferblatt, und ein dünnes Blatt wirkt dann wie eine Membran. Eine zu enge Bohrung, in der die Anwelle klemmt, hat denselben Effekt. Beides ist beim Einbau in zwei Minuten erledigt und bringt oft mehr als der Wechsel der Bauart.

„Lautloses Uhrwerk" – warum wir das nicht versprechen

Weil es nicht stimmt. „Lautlos" und „geräuschlos" sind Werbeworte, die eine Mechanik mit Motor nicht einhalten kann – im stillen Schlafzimmer, nachts, mit dem Ohr am Zifferblatt hören Sie jedes dieser Werke. Was Sie realistisch bekommen, ist ein Werk ohne hörbaren Sekundentakt.

Wie weit Herstellerangabe und Erfahrung auseinanderliegen können, zeigt unser Vergleich an zwei Stellen: Ein Werk läuft beim Hersteller unter der Rubrik „Stille Uhr", während zwei Rezensionen es als laut tickend beziehungsweise mit lautem Pendel beschreiben. Ein anderes wird als „sehr leise" beworben, und eine Rezension hält dagegen, das Ticken sei hörbar – wenn auch leiser als beim Vorgängerwerk. Wo die Bauart nicht im Datenblatt steht, ist „leise" also kein belastbarer Hinweis.

Warum tickt mein Uhrwerk so laut?

Drei Ursachen, in dieser Reihenfolge zu prüfen:

  1. Es ist ein Sprungsekundenwerk. Dann ist der Takt bauartbedingt und lässt sich nicht abstellen. Bei einem Werk in unserem Vergleich bewirbt der Hersteller das hörbare Ticken sogar ausdrücklich als Merkmal.
  2. Das Werk sitzt nicht fest. Zieht die Mutter nicht sauber an oder liegt das Gehäuse schief, klappert es zusätzlich.
  3. Das Zifferblatt schwingt mit. Ein großes, dünnes Blatt verstärkt jedes Geräusch. Eine Filzscheibe zwischen Werk und Blatt hilft mehr als jede Herstellerangabe.

Und der ehrliche vierte Punkt: Wenn nichts davon zutrifft, hilft nur ein anderes Werk.

Was die Datenblätter im Vergleich hergeben

Wir haben für alle zwölf Werke geprüft, was der Hersteller zum Laufbild angibt. Das Ergebnis ist ernüchternd und gehört zur ehrlichen Auskunft dazu:

  • Zwei Werke sind ausdrücklich als Schleichsekundenwerk ausgewiesen.
  • Zwei Werke nennen die Sprungsekunde.
  • Bei acht Werken macht der Hersteller keine Angabe zur Bauart – darunter unsere Empfehlung. Als Schleichsekunden- oder Sprungsekundenwerk führen wir sie deshalb keines von beiden: Aus einer fehlenden Herstellerangabe lässt sich die Bauart nicht folgern. Was einzelne Rezensionen zum Laufgeräusch berichten, steht unverändert in der jeweiligen Einschätzung.

Genau deshalb gibt es im Vergleich auch keinen Filter „Schleichsekundenwerk": Er hätte acht Werke stumm aussortiert, über die nichts bekannt ist.

Die Werke mit ausgewiesenem Laufbild

Diese Werke im Vergleich nennen ihre Bauart in den Merkmalen – die schleichenden zuerst, danach die beiden Sprungsekundenwerke:

Deewish Funkuhrwerk, 24 mm Zeigerwellenlänge
FUNKUHRWERK · WANDUHR

Deewish Funkuhrwerk, 24 mm Zeigerwellenlänge

BEWERTUNG 1,8

Das einzige Funkuhrwerk im Vergleich, für das der Hersteller eine Schleichsekunde ausweist; 24 mm Zeigerwellenlänge für Zifferblätter von 11 bis 13 mm, die Zeigerbohrungen sitzen jedoch eng.

TFA Dostmann Schleichsekundenwerk 60.3024.01
STANDARDWERK · WANDUHR

TFA Dostmann Schleichsekundenwerk 60.3024.01

BEWERTUNG 2,0

Günstiges Schleichsekundenwerk mit zwei Zeigersätzen; in den Rezensionen sehr leise, jedoch ohne Herstellerangabe zur Zeigerwellenlänge und mit vereinzelten Passungsproblemen.

Hicarer Pendelwerk, 23 mm Zeigerwellenlänge
PENDELWERK · WANDUHR

Hicarer Pendelwerk, 23 mm Zeigerwellenlänge

BEWERTUNG 1,8

Günstiges Sprungsekunden-Pendelwerk mit 23 mm Zeigerwellenlänge; in Rezensionen häufig präzise, mit wiederholten Hinweisen zu Zeigermontage und Laufgeräusch.

EEEKit Sprungsekundenwerk mit 4 Zeigersätzen
STANDARDWERK · GROSSE WANDUHR

EEEKit Sprungsekundenwerk mit 4 Zeigersätzen

BEWERTUNG 2,1

Der Hersteller bewirbt die hörbare Sprungsekunde ausdrücklich: Das Werk tickt bewusst, statt zu schleichen; vier Zeigersätze für Zifferblätter von 20 bis 40 cm liegen bei.

Welches Laufbild für welchen Raum?

RaumEmpfehlungWarum
Schlafzimmer, ArbeitszimmerSchleichsekundeEin Sekundentakt fällt in der Stille auf, auch aus vier Metern Entfernung.
Wohnzimmer, Flurbeides möglichHintergrundgeräusche decken den Takt meist ab.
Küche, WerkstattSprungsekunde unkritischHier ist ohnehin etwas los; die Bauart spielt keine Rolle.

Ein Sonderfall betrifft die Uhr, nicht den Raum: Hat Ihr Gehäuse ein sichtbares Pendel, erzeugt es unabhängig vom Sekundenzeiger ein eigenes Geräusch – das Laufbild allein entscheidet dann nicht mehr über die Ruhe im Raum.

Fazit

Wenn Ihnen Ruhe wichtig ist, nehmen Sie ein Werk, dessen Datenblatt die Schleichsekunde ausdrücklich nennt – und rechnen Sie trotzdem mit einem leisen Grundgeräusch. Steht im Datenblatt nichts, ist die Bauart offen; „leise" allein ist keine Zusage. Der zweite Hebel liegt bei Ihnen: Ein sauber sitzendes Werk auf einem stabilen Zifferblatt ist leiser als jedes Versprechen. Alle Werke mit ihren Angaben stehen im Vergleich.